KAI POHL
Transgender-Pop

Protzau ist schöner als Oberkotzau, Endenich ist schöner als Lengsdorf, Bremen ist schöner als Bielefeld, Berlin ist schöner als Frankfurt. Köln ist schöner, als es je war. Stuck ist schöner als Stahlbeton, Weltrevolution schöner als Mittelstand, Vögeln ist schöner als Fliegen. Tiere sehen besser

aus als Menschen. Eine Eule ist schöner als Claudia Schiffer. Colombo ist schöner als Yashila, Serpil ist schöner als Fatma, Seamus ist größer als Ian, aber Ian ist schöner als William. Ein weißer Arsch mit einer bunten Feder dran ist schöner als ein Goldfasan. Katrine heißt mein schönstes Schwein

und trinkt am liebsten Moselwein. Das Straubinger Gäubodenfest ist schöner als das Münchner Oktoberfest. Träumen ist schöner als Fernsehen. Mein Eon ist schöner als deins. Ein Garten mit Nichts ist schöner als ein Teich ohne Nichts. Natürlich schön ist schöner als künstlich schön. Ein einziger

schöner Klang ist schöner als langes Gerede. A ist schöner als B. Das Ergebnis ist schöner als jede Excel-Tabelle, schöner als die Sonne und strahlender als das Licht, klarer als die Luft nach einem kräftigem Gewitter. Es ist schöner als schön, realer als real, präsenter als präsent. Schmetterlinge

in Spinnenweben gefangen – nichts ist schöner als ihr Schillern im Tod. Nichts ist schöner als ein Ort, wo die Ökonomie draußen bleibt. Nichts ist schöner als ein Döner. Nichts ist schöner, als nach dem Schlußakkord im Nachhall die apokalyptische Wirkung auf den Raum zu genießen.

 

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floppy myriapoda
Subkommando für die freie Assoziation
Heft 1, Berlin, Januar 2006
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